Die schlimmste Phase der globalen Finanzkrise ist überstanden und die Weltwirtschaft erholt sich allmählich. Der Grund liegt in erster Linie in der stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik. Die Aufwärtstendenz zeigt sich insbesondere in der Entwicklung des realen Welthandels, der, nach dem scharfen Einbruch im Herbst 2008, seit dem Sommer 2009 wieder wächst.
Als Folge der schwersten Rezession seit der „Großen Depression“ im Jahre 1929 keimte die Angst vor einer langen, schwer zu bekämpfenden Deflation auf. Der gegenüber dem Vorjahr starke Rückgang der Inflationsrate war jedoch nicht auf Preissenkungen in vielen verschiedenen Gütergruppen zurückzuführen. Der Grund dafür lag vielmehr nach dem Platzen der Rohstoffpreisblase im Sommer 2008 in erster Linie im Verfall der Preise von Mineralölprodukten. Gemessen an der Inflationsrate ist weder für die USA noch für den Euro-Raum eine Deflation festzustellen.
Die österreichische Wirtschaft schrumpfte im Jahr 2009 real um 3,4 Prozent, etwas weniger stark als im Durchschnitt des Euro-Raumes (-3,9 Prozent). Mitte 2009 setzte, getragen von der weltweit expansiven Wirtschaftspolitik, eine Trendwende ein, die den Warenexport und die Sachgütererzeugung erfasste. Die Erholung wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen und 2010 in einem Wachstum des BIP um 1,5 Prozent auswirken. Allerdings kommt aufgrund der niedrigen Kapazitätsauslastung kein Investitionsaufschwung in Gang. Dies trägt dazu bei, dass die Arbeitslosenquote weiter steigt. Der Finanzierungssaldo des Staates verschlechtert sich auf etwa -5 Prozent des BIP.
Die Arbeitslosenquote liegt mit 5 Prozent1) der Erwerbstätigen über dem Vorjahreswert von 3,8 Prozent. Nach einem Einbruch auf dem Arbeitsmarkt im Sommer 2008 stabilisierte sich die Beschäftigung im Herbst. Die Zahl der Arbeitslosen stieg 2009 weiter, wenn auch langsamer als im 1. Halbjahr 2009.
Im Jahr 2009 lag die Inflation (VPI) durchschnittlich bei 0,5 Prozent. Damit wies sie den niedrigsten Wert seit 1953 auf. Hauptsächlich verantwortlich dafür war, bei sonst sehr geringer Preisdynamik, die Entwicklung der Treibstoff- und Heizölpreise, die Jänner bis November 2009 deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen und die Inflation um 0,8 Prozentpunkte dämpften.
Für Dezember 2009 betrug die Inflationsrate im Jahresabstand 1 Prozent. Mit diesem Anstieg (November 0,7 Prozent, Oktober 0,2 Prozent) erreichte sie etwa das Niveau des 1. Quartals 2009. Hier zeigten sowohl vor allem die Ausgaben für Wohnen (durchschnittlich +2,4 Prozent) Wirkung als auch die Treibstoffpreise, deren Jahresveränderungsraten trotz aktuell leicht fallender Preistendenz um 10 Prozent über dem Dezember-Niveau des Vorjahres lagen.
In der Bauwirtschaft sank der Produktionswert von Jänner bis Juli um 5 Prozent unter den des Vorjahres. Im 3. Quartal wuchs die Wertschöpfung laut vorläufiger Rechnung gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt real um 2 Prozent.
Der Ausblick auf die nächsten Jahre lässt vermuten, dass die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise das Wirtschaftswachstum in Österreich mittelfristig dämpfen. Das Bruttoinlandsprodukt wird von 2010 bis 2014 real um durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr expandieren. Auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Haushalte wirkt die Rezession noch längere Zeit nach. Die Inflationsrate wird dagegen niedrig bleiben.
Die Prognose geht dahin, dass nach Überwindung der Krise ab dem Jahr 2011 Maßnahmen zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gesetzt werden.
1) WIFO – Arbeitslosenquote, standardisiert – Prognose (Herbst 2009)
Quelle: WIFO (Stand 1.2.2010)
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